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Archivbestand 6 (Akten der Verwaltung Aufklärung des Ministeriums für Nationale Verteidigung)

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Stand: Dezember 2020
Umfang: 4 lfm
Laufzeit: 1952 – 1989
Erschließungsstand: 100 %

Allgemeine Informationen

Die Verwaltung Aufklärung (VA, ab 1984 Bereich Aufklärung) war ein eigenständiger militärischer Geheimdienst der DDR, der im Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) ressortierte. Er führte Quellen, sog. Agenturische Mitarbeiter (AM) verschiedener Kategorien und Illegale, sog. Spezialkader (SK) im "Operationsgebiet". Dafür unterhielt er ein umfangreiches Hilfsnetz an Post- und Telefonstellen sowie Quartiergebern in der DDR. Er setzte Kuriere, Instrukteure, Aufklärer, Ermittler/Werber ein, die vorwiegend aus DDR-Bürgern rekrutiert wurden.

Aufklärung wurde auch aus Legalpositionen (u. a. Militärattachés) und durch ein eigenes Funkaufklärungsregiment betrieben. Ziel war der militärische Gegner in seinen konkreten Handlungsräumen in Zentraleuropa, vorrangig in der Bundesrepublik und Berlin (West). Die Führungs- und Kommandostellen von NATO, Bundeswehr sowie in der Bundesrepublik Deutschland stationierte Streitkräfte, deren Ausrüstung und Bewaffnung, Manöver und militärische Bewegungen. Aber auch Rüstung und Militärpolitik und -diplomatie insgesamt.

Wie die gesamten Streitkräfte der DDR hatte auch die Verwaltung Aufklärung (VA) keine eigenen Abwehreinheiten, sondern wurde durch das MfS, konkret deren Hauptabteilung I, abwehrmäßig gesichert. Das daraus entstandene Schriftgut ist weitestgehend im Teilbestandes HA I erhalten geblieben. Dagegen wurden die Akten des Archivbestandes 6, (operatives Schriftgut der VA) im Sommer 1990 auf Anforderung des damaligen Ministers für Abrüstung und Verteidigung aus dem Archiv entnommen und vernichtet. Die Personenerfassungen in den zentralen Karteien des MfS blieben erhalten.

Enthält u. a.

Von ehemals rd. 15.500 Vorgängen sind rd. 140 erhalten geblieben, die inhaltlich nicht relevant und 1989 bereits zur Kassation vorbereitet waren. Sie enthalten vorwiegend Informationen über Kontaktierungen von Personen in den 1950-er bis 1970-er Jahren ohne dass eine tatsächliche Zusammenarbeit zustande kam.

Informationen über die Bearbeitung des Archivbestandes

Der Archivbestand 6 wurde 1995 grob sachlich erschlossen und ist auch personenbezogen nutzbar.

Findmittel (BStU-intern)

- numerische Findkartei
- personenbezogene MfS-Karteien
- Datenbank "Elektronisches Personenregister" (EPR)
- listenmäßiger Nachweis der vorhandenen AVA-Signaturen

Besonderheiten

Bei dem Archivbestand 6 handelt es sich um ein Depositum mit dem Sigel "AVA". Vereinbarungen auf Ministerebene sowie zwischen der HA I und der VA regelten seit 1975 die Überprüfung, Erfassung und Archivierung der inoffiziellen Verbindungen der VA des MfNV im MfS. Die dazu erlassenen MfS-internen Regelungen blieben der VA verborgen, Ansprechpartner war für sie die HA I, Abteilung Äußere Abwehr, Unterabteilung 2, Arbeitsgruppe XII.