Der Schriftsteller und Sozialpsychologe Jürgen Fuchs (1950-1999) engagierte sich politisch und literarisch für die freie Rede in der DDR. Die Staatssicherheit bekämpfte den Dissidenten wegen seiner SED-kritischen Texte und seiner Verbindungen ins kulturoppositionelle Milieu. Nach neun Monaten in Stasi-U-Haft wurde Fuchs aus der DDR ausgewiesen. Er hielt weiterhin Kontakt zur Oppositionsszene im Osten und versuchte, ihr Unterstützung und West-Öffentlichkeit zukommen zu lassen. Das machte ihn in den Augen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zu einem gefährlichen "Staatsfeind".

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Erkennungsdienstliche Fotos von Jürgen Fuchs

Der 1950 im vogtländischen Reichenbach geborene Sohn einer Arbeiterfamilie kam bereits als Schüler das erste Mal in Kontakt mit der Stasi. Er wurde im Jahr 1968 zum Schuldirektor vorgeladen und sollte gegen einen seiner Lehrer aussagen, der offen mit dem Prager Frühling sympathisiert hatte und deshalb wenig später vom Dienst suspendiert wurde.

Ebenfalls im Jahr 1968 lernte Fuchs sein literarisches Vorbild Reiner Kunze persönlich kennen, der ihn in seinen eigenen schriftstellerischen Ambitionen bestärkte. Fuchs verfasste seit seiner Schulzeit Gedichte und kurze Prosastücke, in denen er Selbsterlebtes reflektierte. Nach seinem NVA-Dienst nahm Jürgen Fuchs 1971 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena das Studium der Sozialpsychologie auf und veröffentlichte erste Werke in Lyrikanthologien.

Freiräume und Repression

Mit dem Machtantritt Erich Honeckers kam es ab 1971 in der DDR-Kulturpolitik zu einem kurzzeitigen Aufbruch und einer gewissen Lockerung. In dieser Zeit entstanden zum Teil neue Freiräume für die Kunst. Neue alternative Arbeitskreise und Literaturzirkel zogen junge Intellektuelle und Kulturschaffende an. Auch die Stadt Jena entwickelte sich Anfang der 70er Jahre zu einem kulturoppositionellen Zentrum. Neben Jürgen Fuchs prägten Schriftsteller wie Lutz Rathenow, Bernd Markowski und Siegfried Reiprich literarische Gruppen wie den 1973 gegründeten Arbeitskreis "Literatur und Lyrik".

Im Jahr 1974 eröffnete die MfS-Kreisdienststelle Jena den Operativen Vorgang (OV) "Pegasus" gegen mehrere Mitglieder des Arbeitskreises um Lutz Rathenow. Jürgen Fuchs gehörte diesem nicht direkt an. Trotzdem war er eine der wichtigsten "Vorgangspersonen", gegen die die Stasi hier ermittelte und "Zersetzungsmaßnahmen" einleitete.

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In diesem künstlerisch-literarischen Umfeld machte Fuchs durch den gemeinsamen Freund Gerulf Pannach (Mitglied der Rockband Klaus Renft Combo) Bekanntschaft mit dem Liedermacher Wolf Biermann. Dieser wiederum stellte Fuchs dem Intellektuellen und Dissidenten Robert Havemann vor. Die Freundschaft und Diskussionen mit diesen beiden Persönlichkeiten der Oppositionsbewegung prägten Fuchs’ politisches Denken maßgeblich. So entschloss er sich 1973 dazu, in die SED einzutreten, um das politische System von innen heraus zu verändern oder wenigstens Missstände besser dokumentieren zu können. Ein Vorbild für ihn waren die verdeckten Recherchen des westdeutschen Journalisten Günter Wallraff.

Christian Kunert, Gerulf Pannach, Wolf Biermann, Jürgen Fuchs (v. l. n. r.)

Der Inhalt seiner dokumentarischen Werke wurde ihm jedoch zum Verhängnis. So verarbeitete er Selbsterlebtes literarisch und sparte dabei auch Konflikte und Tabuthemen, wie z. B. einen Anwerbeversuch der Staatssicherheit, nicht aus. Bei einem ersten öffentlichen Auftritt am 7. Februar 1975 bei einer Kulturveranstaltung in Bad Köstritz hatte Fuchs eigene Stücke mit angeblich "klassenfeindliche[r] Tendenz" vorgetragen.

„Auch bin ich sehr dafür, daß wir uns alle kräftig einmischen in unsere eigenen Angelegenheiten.“

Jürgen Fuchs
aus "Der Brief", Gedächtnisprotokolle, 1977

Am 15. Juni 1975 tagte der Disziplinarausschuss der Friedrich-Schiller-Universität Jena und beschloss die Exmatrikulation von Jürgen Fuchs. Wegen "Schädigung des Ansehens der Universität in der Öffentlichkeit" wurde der Student der Psychologie nur wenige Wochen vor dem Examen vom Studium ausgeschlossen.

Für den inzwischen jungen Familienvater bedeutete dies ein Berufsverbot als Psychologe und damit einen drastischen Einschnitt in seine Zukunftsplanung. Jürgen Fuchs und seine Familie zogen nun nach Grünheide bei Berlin zu Robert Havemann, der zu diesem Zeitpunkt bereits akribisch von der Stasi überwacht wurde.

Verdacht der "staatsfeindlichen Hetze"

Die für SED und Stasi unerwartete Protestwelle gegen die Biermann-Ausbürgerung vom 16. November 1976 beendete die kurze Phase kulturpolitischer Lockerungen in der DDR. Kunst- und Kulturschaffende, die Kritik am SED-Staat übten, sahen sich nun mit verstärkten Repressionen bis hin zu Verhaftungen konfrontiert. Die Stasi musste dabei in ihren Methoden taktieren, damit keine allzu offensichtlichen Verletzungen der Menschenrechte das Ansehen der DDR auf der internationalen Bühne gefährdeten. Erst im Jahr zuvor hatte die DDR die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki unterzeichnet. Damit verpflichtete sie sich zur Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten im Land.

Am Vormittag des 19. Novembers 1976 waren Jürgen Fuchs, Gerulf Pannach, Christian Kunert und Robert Havemann in dessen Auto auf dem Weg zur Ost-Berliner Dependance des westdeutschen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL. Nur wenige Tage nach der Ausbürgerung ihres Freundes Wolf Biermann und ersten Protesten von prominenten Schriftstellerinnen und Schriftstellern wollten sie weitere Solidaritätsbekundungen organisieren und mit der Westpresse über den Vorfall sprechen. Die Stasi verhaftete Fuchs direkt aus Havemanns Auto heraus und brachte ihn in das zentrale Untersuchungsgefängnis des MfS in Berlin-Hohenschönhausen.

Als Grund für seine Verhaftung galt laut Haftbeschluss der Verdacht auf "staatsfeindliche Hetze" gemäß §106 StGB-DDR. In seinen Publikationen habe er die "staatlichen und anderen gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR […] diskriminiert". Auch deren "Verbreitung in der BRD" wird ihm explizit vorgeworfen.

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Ab dem ersten Tag seiner Haft wurde Jürgen Fuchs von Stasi-Mitarbeitern — zu Beginn mehrmals täglich — verhört. Fuchs verwies bereits in den ersten Vernehmungen darauf, dass er gegen seine Verhaftung protestiere und seine Freilassung fordere. Kontinuierlich weigerte er sich in den Verhören, gegen Freunde und Bekannte auszusagen.

Ein "Maßnahmeplan" der Stasi gegen Jürgen Fuchs vom 10. Dezember 1976 sah verschiedene Schritte vor, um dem Schriftsteller während seiner Untersuchungshaft den Straftatbestand der "staatsfeindlichen Hetze" nachzuweisen. Dazu gehörte u. a. ein von der Stasi in Auftrag gegebenes literaturwissenschaftliches Gutachten, das in Fuchs’ Werken eine "Diffamierung und Verleumdung" der DDR feststellte.

 

Erkennungsdienstliche Fotos von Jürgen Fuchs

Im März 1977 entschied sich Jürgen Fuchs dazu, jeglichen Kontakt zu seinen Vernehmern abzubrechen. Zweieinhalb Monate lang verlegte er sich auf eisernes Schweigen. In den Stasi-Akten finden sich Protokolle, die nur aus den an Fuchs gerichteten Fragen bestehen. Zusätzlich fertigten MfS-Mitarbeiter Vermerke zu den Verhören an, in denen sie Fuchs’ Verhalten während der Befragungen beschrieben. Hier konzentrierte er sich auf das "Beschreiben der Tischplatte" - einer Gedächtnisübung, mit deren Hilfe er sich alles Gesprochene während der Vernehmungen einprägte und nach seiner Haftentlassung detailliert rekonstruieren konnte.

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Die Aufmerksamkeit der Westmedien für den politischen Gefangenen Jürgen Fuchs machte ihn für SED und MfS immer unbequemer. Fuchs erhielt für sein im Februar 1977 in der Bundesrepublik erschienenes Buch "Gedächtnisprotokolle" den internationalen Pressepreis der Buchmesse in Nizza. Zudem bekam er mit dem 1976 in West-Berlin gegründeten "Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus" prominente Unterstützung. Diese hatte es sich angesichts der seit der Biermann-Ausbürgerung verstärkten Repressionen gegen ostdeutsche Kunstschaffende und Intellektuelle zur Aufgabe gemacht, öffentlich die Freilassung von politischen Häftlingen in der DDR zu fordern. Jürgen Fuchs war einer der ersten Künstler und Intellektuellen, um deren Freilassung sich die Organisation mit so bekannten Mitgliedern wie Heinrich Böll, Romy Schneider und Friedrich Dürrenmatt bemühte.

„Wenn ich auf der Pritsche liege, läuft er stundenlang auf und ab - Pritschenabstand etwa 70 cm - schlägt im Vorbeigehen rhythmisch auf die Tischplatte, pfeift und trällert Lieder, die ich mitunter gesungen habe. Nachts verursacht er laute Geräusche, läßt den Wasserhahn tropfen. Wenn ich ihn abdrehe, bringt er ihn erneut zum Tropfen.“

Jürgen Fuchs
aus "Vernehmungsprotokolle. November '76 bis September '77", 1978

Nach neun Monaten Stasi-Haft und der Androhung einer ungewissen Haftstrafe sah sich Jürgen Fuchs dazu gezwungen, seiner Ausbürgerung zuzustimmen. Am 26. August 1977 wurde er aus der Haft entlassen und direkt aus dem Gefängnis nach West-Berlin abgeschoben.

Dort veröffentlichte Fuchs im Herbst 1977 eine Artikelserie mit dem Titel "Du sollst zerbrechen" im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Er schildert darin seine Erfahrungen in der Stasi-Haft, mit Verhören, psychischer und physischer Gewalt und einem eigens auf ihn angesetzten "Zelleninformator". Das MfS hatte ab Dezember 1976 einen Häftling, der mit Fuchs die Zelle teilte, als Spitzel eingesetzt. Dieser sammelte nicht nur Informationen, sondern setzte ihn zuweilen auch psychisch unter Druck, wie Jürgen Fuchs in seinem Werk "Vernehmungsprotokolle" beschreibt.

 

Stasi-Überwachung und "leiser Terror" in West-Berlin

Jürgen Fuchs lebte nach der erzwungenen Ausreise mit seiner Familie in Berlin-Tempelhof und arbeitete als Schriftsteller und Sozialpsychologe. Er unterhielt weiterhin engen Kontakt zu DDR-Oppositionellen wie Katja und Robert Havemann, Lutz Rathenow und Bärbel Bohley.

Als Reaktion auf die fortschreitende Militarisierung in der Gesellschaft entstand ab 1979 in der DDR unter dem Schutz der evangelischen Kirchen eine unabhängige Friedensbewegung. Insbesondere in Fuchs’ ehemaliger Heimatstadt Jena machte eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten mit Kundgebungen und Demonstrationen auf sich aufmerksam. Der dieser Gruppe angehörige Jenaer Dissident Roland Jahn wurde 1983 ebenfalls nach West-Berlin ausgebürgert und traf dort auf Jürgen Fuchs. In enger Zusammenarbeit unterstützten sie dank kurzer Wege in den Ostteil der Stadt gemeinsam die DDR-Opposition und stellten mithilfe neuer Pressekontakte für diese West-Öffentlichkeit her.

Von links nach rechts auf dem Präsidium: Wolf Biermann, Dr. Dietmar Keller, Pfarrer Friedrich Schorlemmer, Lutz Bertram, Matthias Görnandt, ein Arbeiter aus Gera, Bettina Wegner und Jürgen Fuchs.

Am 10. Juni 1982 legte die Staatssicherheit zu Fuchs den Operativen Vorgang (OV) "Opponent" an, in dem sie ihn als "Organisator feindlicher Untergrundhandlungen" mit zahlreichen Kontakten zu Westmedien und DDR-Oppositionellen bezeichnete. Laut des Eröffnungsberichts stand Jürgen Fuchs den Verfassern des "Berliner Appells" beratend zur Seite und vermittelte Kontakte in die Bundesrepublik. Der Dissident Robert Havemann und der Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann hatten das Papier am 25. Januar 1982 unter dem Titel "Frieden schaffen ohne Waffen" veröffentlicht. Darin sprachen sie sich gegen Atomwaffen und für eine Entmilitarisierung der DDR und der Bundesrepublik aus. Im Jahr darauf erhielt der OV die höchste Bearbeitungsstufe eines "Zentralen Operativen Vorgangs" (ZOV), den mehrere MfS-Diensteinheiten in Teilvorgängen umfassend bearbeiteten.

Die Stasi überwachte sehr genau, wie der von ihr ab Anfang der 80er-Jahre als "Staatsfeind" bezeichnete Jürgen Fuchs Kontakte zwischen der ost- und westdeutschen Friedensbewegung herstellte. Trotz des gemeinsamen Ziels der Abrüstung in Ost und West lehnten große Teile der West-Linken die DDR-Opposition zunächst ab und unterstützten die SED-Politik. Jürgen Fuchs machte einen kleinen Kreis der 1980 gegründeten Grünen um Petra Kelly und Lukas Beckmann mit DDR-Oppositionellen wie Bärbel Bohley, Gerd und Ulrike Poppe bekannt. Während mehrerer Treffen und gemeinsam geplanter Aktionen entstand ein Dialog zwischen den Friedensbewegungen in beiden deutschen Staaten. Einige Mitglieder der Grünen zeigten sich im Mai 1983 während einer Protestaktion auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz öffentlichkeitswirksam solidarisch mit der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR.

Die Stasi bezeichnete Fuchs’ Engagement in der unabhängigen Friedensbewegung der DDR als "feindliche Einflußnahme" und "Hetze gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung". Darüber hinaus verdächtigte sie ihn, im Auftrag westlicher Geheimdienste zu arbeiten.

Obwohl er kein DDR-Bürger mehr war, leitete die Stasi 1982 wegen "landesverräterische[r] Nachrichtenübermittlung und staatsfeindliche[r] Hetze im schweren Fall" erneut ein Ermittlungsverfahren gegen Jürgen Fuchs ein. Es folgten der Haftbefehl und ein internationales "Fahndungsersuchen" für alle sozialistischen Staaten und Grenzübergänge in die DDR. Auslandsreisen waren damit für den in der Enklave West-Berlin lebenden Jürgen Fuchs mit einem erheblichen Risiko der Auslieferung verbunden. Das MfS überwachte zudem misstrauisch seine Verbindungen zu Bürgerrechtsbewegungen in Polen und der Tschechoslowakei. Die Abteilung X übernahm Absprachen zu möglichen Einreisen oder Kontakten von Fuchs mit den Geheimdiensten der "Bruderstaaten".

Dass die Stasi auch nach seiner Ausbürgerung jahrelang in sämtliche Bereiche seines Lebens einzudringen versuchte, blieb Jürgen Fuchs nicht verborgen. In einer Kurzauskunft aus dem Jahr 1987 stellte die Hauptabteilung XX/5 fest: "In seinem Umgangskreis verhält sich Fuchs außerordentlich mißtrauisch und fühlt sich ständig unter Kontrolle des MfS."

Das Misstrauen des Schriftstellers gegen die Stasi war berechtigt. In einem Zwischenbericht zu Jürgen Fuchs vom 19. September 1982 dokumentiert die Hauptabteilung XX/5 seine "feindlichen Aktivitäten". Sie zieht außerdem eine Bilanz der "Zersetzungsmaßnahmen", die Fuchs verunsichern und schaden sollten. Stasi-Mitarbeiter terrorisierten ihn dem Bericht zufolge "vor allem in den Nachtstunden" mit Anrufen und blockierten seinen Festnetzanschluss. Die Geheimpolizei schickte auch unerwünschte Zeitschriften und Prospekte und bestellte in Fuchs’ Namen Dienstleistungen, um ihn und seine Familie zu belästigen. Dazu gehörten etwa Möbeltransporte, Schädlingsbekämpfung, Abschleppdienste und anderes mehr. Neben diesen psychisch zermürbenden Angriffen ging die Stasi auch mit physischer Gewalt gegen den ehemaligen DDR-Bürger vor. Fuchs berichtete unter anderem von einem versuchten Sprengstoffanschlag im Herbst 1986 unmittelbar vor seinem Wohnhaus und manipulierten Bremsschläuchen an seinem Auto.

Schwarzweißaufnahme von Jürgen Fuchs’ Wohnhaus in West-Berlin. Die zu seiner Wohnung gehörenden Fenster sind rot markiert. Ein Pfeil markiert die zugehörige Haustür.

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Akteneinsicht und Aufarbeitung

Jürgen Fuchs setzte sich nach der Wiedervereinigung für die Öffnung der Stasi-Akten ein und war 1992 einer der ersten, die Einsicht in ihre Akten nahmen. Eine Zeitlang war er selbst als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) und in dessen Beirat tätig. Er kritisierte die Weiterbeschäftigung ehemaliger Stasi-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und besonders deren Einsatz an entscheidenden Stellen im Archiv mit freiem Zugang zu Karteien und Akten. Fuchs verstarb am 9. Mai 1999 an einer Leukämieerkrankung, die auch auf Strahlenschäden zurückzuführen sein könnte. Er selbst äußerte den Verdacht, während seiner U-Haft mehrmals Strahlen ausgesetzt gewesen zu sein. Eine vom BStU Joachim Gauck ins Leben gerufene Projektgruppe "Strahlen" konnte die gezielte Verwendung von strahlungsaktiven Substanzen des MfS gegen Oppositionelle nicht feststellen.

Jürgen Fuchs regte politisch und literarisch immer wieder dazu an, sich kritisch mit der SED-Diktatur und den Stasi-Unterlagen auseinanderzusetzen. Dabei ging es ihm in erster Linie um die Aufarbeitung politischer Verfolgung und die Anerkennung von Betroffenen.

Literaturhinweise

  • Jürgen Fuchs: Gedächtnisprotokolle, 1977.
  • Jürgen Fuchs: Vernehmungsprotokolle. November '76 bis September '77, 1978.
  • Jürgen Fuchs: Magdalena, 1998.
  • Ernest Kuczysnki: Landschaften der Erinnerung. Der Schriftsteller Jürgen Fuchs und die Facetten der SED-Diktatur, S. 19-45, in: Martin Hermann (Hrsg.): Leben ohne Freiheit. Jürgen Fuchs und die DDR. Welche Lehre? Jena 2016.
  • Ernest Kuczysnki (Hrsg.): Im Dialog mit der Wirklichkeit. Annäherungen an Leben und Werk von Jürgen Fuchs, Halle 2014.
  • Erhart Neubert: Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, Bonn 1997.
  • Udo Scheer: Jürgen Fuchs. Ein literarischer Weg in die Opposition, Berlin 2007.

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