Direkt zum Seiteninhalt springen
Publikation

Fasse Dich kurz!

Der grenzüberschreitende Telefonverkehr der Opposition in den 1980er Jahren und das Ministerium für Staatssicherheit

Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.), Arno Polzin (Hg.)

Cover zu Kowalczuk/Polzin: Fasse Dich kurz!

Reihe
Wissenschaftliche Reihe

Umfang
1059 Seiten

Auflage
1. Auflage, Göttingen 2014

Verlag
Vandenhoek & Ruprecht

Preis
70,00 €

ISBN
978-3-525-35115-4

Sprache
Deutsch

Band 41

Inhalt

Das Abhören von Telefongesprächen gehört zur Geschichte der Telefonkommunikation. Auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hat trotz eines unterentwickelten Telefonnetzes in der DDR eifrig Telefonate abgehört, mitgeschnitten und die daraus gewonnenen Informationen für die geheimpolizeiliche und geheimdienstliche Tätigkeit verwendet. Dafür unterhielt die Staatssicherheit eigene Abteilungen, die im Auftrag anderer MfS-Diensteinheiten gezielt Telefongespräche in der DDR, in der Bundesrepublik und auch im grenzüberschreitenden Telefonverkehr überwachten.

Einer historischen Beschäftigung mit den Ergebnissen dieser Abhörpraxis sind aus datenschutzrechtlichen Gründen sehr enge Grenzen gesetzt. In diesem Buch werden erstmals Quellen veröffentlicht, die auf Telefonüberwachungsmaßnahmen zurückgehen. Neben der wissenschaftlichen Edition von rund 150 Quellen wird der zeithistorische Kontext beleuchtet. Es werden der Quellenwert diskutiert und in einem Essay aus Zeitzeugensicht die Abhörpraxis und die Folgen dargestellt. Außerdem wird die technische Arbeitsweise der Stasi-Abhörspezialisten beleuchtet. Das Buch stellt somit eine bislang wenig bekannte Quellengruppe vor. Es entwirft neue Blickwinkel auf die Geschichte von SED-Diktatur, MfS und Opposition und enthält vielfältige Forschungsanregungen.

Das Buch konzentriert sich auf abgehörte Telefongespräche aus der Spätphase der DDR. Dabei stehen Oppositionelle in Ost-Berlin und ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten im Mittelpunkt. Diese Quellen erlauben nicht nur eine präzise Rekonstruktion, wie Stasi und SED mit abgehörten Telefongesprächen konkret umgingen. Sie zeigen auch welche Erkenntnisse sie daraus zogen und welche Rolle diese Mitschnitte für die operative und juristische Verfolgung der Abgehörten spielten. Sie gestatten darüber hinaus einen neuen Einblick in das Denken und die Aktivitäten von Oppositionellen in Ost-Berlin und ihren Gesprächspartnern im Westen in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre.

Weitere Informationen zur Buchreihe und zum diesem Titel auf der Website des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht.

Zum Autor/Herausgeber

Ilko-Sascha Kowalczuk (Hg.)

Dr., Jahrgang 1967, Historiker; Projektleiter in der Abteilung Kommunikation und Wissen des Stasi-Unterlagen-Archivs

Arno Polzin (Hg.)

Jahrgang 1962, Maschinenbau-Ingenieur; Mitarbeiter in der Abteilung Kommunikation und Wissen des Stasi-Unterlagen-Archivs

Verwandte Inhalte

Publikation

"Stellt die Bürger ruhig"

Staatssicherheit und Umweltzerstörung im Chemierevier Halle–Bitterfeld

Das Chemiedreieck Halle–Bitterfeld war in den 80er-Jahren ein "ökologisches Katastrophengebiet", die DDR einer der größten Umweltsünder in Europa: Die Staatssicherheit versuchte, die gravierenden Umweltprobleme zu vertuschen und die Umweltbewegung zu mundtot zu machen.

Publikation

Von einer Freundschaft, die es nicht gab.

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR und das polnische Innenministerium 1974–1990.

Die Studie offenbart die vermeintliche Freundschaft zwischen Stasi und polnischem Geheimdienst als Täuschung und legt überraschende Schwachstellen der Stasi offen.

Publikation

Vom Scheitern der kybernetischen Utopie

Die Entwicklung von Überwachung und Informationsverarbeitung im MfS

Beschaffung und Verarbeitung von Informationen sind zentrale Aufgaben für jeden Geheimdienst. Das MfS wollte aber weder "alles" wissen, noch überwachte es flächendeckend. Seine Aufmerksamkeit galt besonders Staat, Wirtschaft und militärischer Abwehr, weniger dafür "Staatsfeinden" und ...

Publikation

Sicherungsbereich Literatur

Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik

Gesamtdarstellung über die Kontrolle und Beeinflussung der DDR-Literatur durch das Ministerium für Staatssicherheit. Die literarischen Primärtexte werden darin um die konspirativen Kontexte erweitert.

Publikation

Konzentrierte Schläge

Staatssicherheitsaktionen und politische Prozesse in der DDR 1953-1956

Der Zeitraum zwischen dem Aufstand am 17. Juni 1953 und dem vom XX. Parteitag der KPdSU eingeleiteten „Tauwetter“ war durch die härtesten Repressionen in der Geschichte der DDR gekennzeichnet.

Publikation

Aktenlage

Die Bedeutung der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes für die Zeitgeschichtsforschung

Der Band liefert eine erste Bestandsaufnahme der zeithistorischen Forschung mit MfS-Akten und einen Einblick in die Dimension der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Staatssicherheitsdienst.