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Das Ende

Am Abend des 4. Dezember 1989 zogen tausende Demonstranten vor die Tore des Stasi-Bezirksamts in Suhl. Was wenige Wochen vorher noch unmöglich schien, galt jetzt als machbar. Doch weder die Protestierenden noch die Stasi-Mitarbeiter konnten den Ausgang dieser Grenzüberschreitung abschätzen. Wie unsicher die Situation tatsächlich war, zeigen interne Dokumente aus den letzten Tagen der Suhler Stasi-Zentrale.

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Am 24. Januar 1990 diktierte der ehemalige Leiter der ostdeutschen Geheimpolizei im DDR-Bezirk Suhl, Gerhard Lange, einem Journalisten der Tageszeitung "Mainpost" seine Erinnerungen an den Abend der Demonstration. Zu diesem Zeitpunkt war das Ende der Stasi bereits besiegelt. Bereits Wochen zuvor hatte die Regierung unter Hans Modrow die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit beschlossen. Der ehemalige Stasi-Generalmajor Lange dazu im Interview: "Eigentlich hätte ich, als ich sah, es kommt zur Katastrophe, die 'Republik' Suhl ausrufen müssen", so Gerhard Lange während des Interviews. "Aber die Gefahr eines Bürgerkriegs wäre zu groß gewesen. Meinen Befehlsstand hätten die ja mit einer einzigen Bombe erledigt."

Tatsächlich hatten die DDR-Geheimpolizisten das Feld geräumt als Demonstranten im Dezember 1989 die Stasi-Gebäude in der gesamten DDR betraten. Der glückliche Ausgang dieser Grenzsituationen war gerade in Suhl – wie sich im Folgenden zeigen wird – nicht selbstverständlich. Mit ähnlich markigen Worten wie in dem späteren Interview hatte Lange auch in den Tagen vor dem 4. Dezember 1989 seine Stasi-Offiziere eingeschworen. Dass die Demonstration vor der Suhler Stasi-Zentrale weitestgehend friedlich verlief, war vor allem das Verdienst einer besonnen agierenden Sprechergruppe, die sich aus den Reihen der Suhler Bürgerbewegung gebildet hatte. Auf der anderen Seite des Tores standen Stasi-Offiziere, die im Zuge der sich überschlagenden Ereignisse in der gesamten DDR eine Gewalteskalation nicht mehr riskieren wollten.

Foto von Gerhard Lange von seiner Kaderkarteikarte.

"Deformationen und Fehlentwicklungen"

In den Tagen und Wochen vor dem 4. Dezember 1989 war der Alltag der Suhler Stasi-Mitarbeiter geprägt von Durchhalteparolen und dem Bekenntnis zur Richtigkeit des eigenen Handelns. Angesichts der wachsenden Demonstrationszüge wollten führende Offiziere die Loyalität ihrer rund 1.700 Mitarbeiter durch eingeschliffene Feindbilder erhalten. Am 10. Oktober – noch Tage bevor in Suhl die erste öffentliche Protestveranstaltung stattfand – klagte Abteilungsleiter Oberst Hans Höfer über eine "Hetze wie noch nie" und "Scharfmacher" aus den Reihen der Bürgerrechtsbewegung "Neues Forum". Höfer befahl seinen Mitarbeitern der "Taktik der Partei" zu folgen.

Erst im November schlug die Suhler Stasi-Leitung neue Töne an. Mit der Maueröffnung am 9. November und dem Rücktritt von DDR-Regierung und SED-Politbüro fielen die Auftragsgeber der Geheimpolizisten in sich zusammen. Am 27. November sprach Lange erstmals vor seinen leitenden Mitarbeitern von "Deformationen und Fehlentwicklungen" – ohne dabei die Rolle der Stasi zu erwähnen. Am 3. Dezember schließlich – einen Tag vor der Suhler Demonstration – wurde der ehemalige Minister für Staatssicherheit Erich Mielke aus der SED ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde der langjährige 1. Sekretär der Suhler SED-Bezirksleitung, Hans Albrecht, wegen Untreue und Amtsmissbrauch angeklagt. Die einzigen beiden Männer, denen gegenüber Lange jahrelang Bericht zu erstatten hatte, wurden jetzt machtlose Rentner mit Haftbefehlen.

"…alle zur Verfügung stehenden Mittel"

Für die Suhler Stasi-Mitarbeiter kam der Protestzug am 4. Dezember 1989 nicht überraschend. Bereits Wochen zuvor hatte der noch amtierende Minister Erich Mielke angeordnet, Demonstranten den Zutritt zu Dienststellen und Objekten der Stasi unter allen Umständen zu verwehren.

Mielke und Lange ging es nicht nur darum, in aller Ruhe die über Jahrzehnte gesammelten Berge von Unterlagen zu zerstören. Vielmehr war beiden die außerordentliche Signalwirkung einer Betretung der Stasi-Dienstgebäude bewusst: Die Suhler Demonstranten forderten nichts weniger als den Zutritt zum bestgesichertsten und meistgefürchteten Ort ihres Bezirkes. Noch wenige Wochen zuvor schien es unvorstellbar auch nur ein Foto vor den Toren der Suhler Stasi-"Burg" zu schießen, geschweige denn einen Fuß in die absolute Tabuzone des Unterdrückungsapparats zu setzen. Die Stasi-Offiziere hinter dem Eingangstor erlebten am Abend des 4. Dezember den endgültigen Verlust ihres zuvor unangetasteten Machtanspruchs.

Ein von Generalmajor Gerhard Lange erteilter Schießbefehl gegen Demonstranten ist für den 4. Dezember 1989 anhand der vorliegenden Unterlagen nicht nachweisbar. Am 31. Oktober hatte Mielke eine Anwendung von Schusswaffen gegen protestierende Bürger "grundsätzlich" untersagt. Eindeutiger wirkt dagegen das nachfolgend abgebildete Fernschreiben von Mielkes Nachfolger Wolfgang Schwanitz, welches Lange noch am Vormittag des 4. Dezember erhielt: "Es sind alle zur Verfügung stehenden Mittel, Löscheinrichtungen und übergebene spezielle Mittel – außer gezielte Schusswaffenanwendung – zum Einsatz zu bringen."

Dokument in der Stasi-Mediathek ansehen

Für Lange jedoch schien damit das letzte Wort nicht gesprochen. Wenige Stunden vor der Demonstration warnte er seine leitenden Mitarbeiter, das Bezirksamt solle "umstellt werden". Eine "gezielte Waffenanwendung" sollte zwar "vorerst" vermieden werden, sei aber "zur eigenen Verteidigung" durchaus möglich. In jedem Fall werde "ein gewaltsames Eindringen mit Gewalt vereitelt".

Warum verteidigten Lange und seine linientreuen Mitarbeiter ihren "Befehlsstand" schließlich nicht mit Patronen? Wichtig war wohl vor allem der schon zu weit vorangeschrittene Prozess der friedlichen Umgestaltung in der gesamten DDR. Bereits im Oktober und November hatten Staats- und Parteiführung auch in extremen Situationen letztendlich auf den offenen Einsatz von Schusswaffen gegen die eigene Bevölkerung verzichtet. In der Nacht des 9. November ließen tausende Menschen die Grenzanlagen in Berlin hinter sich, ohne dass die verdutzten "Sicherheitsorgane" nur einen Schuss abfeuerten. Die friedlichen Proteste 1989 waren geprägt von diesen Grenzsituationen. Dadurch waren am 4. Dezember 1989 die Gewichte bereits zu weit verschoben. Der Einsatz von Gewalt erschien den meisten Suhler Stasi-Mitarbeitern offenbar nicht mehr so selbstverständlich wie noch Wochen zuvor. Auch hatten sie bereits am Nachmittag des 4. Dezember von der gewaltlosen Besetzung der Stasi-Zentrale in Erfurt erfahren. Vielen Suhler Stasi-Mitarbeitern erschien eine Verhandlung mit den Demonstranten schließlich aussichtsreicher als die Verteidigung des kollabierenden Überwachungsapparates mit Waffengewalt.

"Ich schieße nicht auf das Volk"

Der einzige Schuss der Demonstrationsnacht fiel nicht am Eingangstor der Suhler Stasi-Zentrale, sondern im dritten Obergeschoss des Dienstgebäudes. Gegen 0:30 Uhr versetzte sich Stasi-Major Armin Knoll in seinem Büro einen Kopfschuss, an dessen Folgen er wenig später verstarb. Knolls Motive sind bis heute umstritten. Generalmajor Lange machte in einem späteren handschriftlichen Bericht den "Psychoterror" der Demonstranten verantwortlich, der für Knoll "nicht mehr zu ertragen" gewesen sei. Dass Stasi-Mitarbeiter im Dezember 1989 vereinzelte Gewaltakte fürchteten, mag durchaus zutreffen. Die Angst war jedoch unbegründet: Weder in Suhl noch an anderen Orten kam es zu Übergriffen von Demonstranten gegen Stasi-Offiziere.

Laut dem Diensttagebuch eines Mitarbeiters hinterließ Knoll in seinem Schreibtisch einen Abschiedsbrief mit den Worten "Ich war immer ein anständiger Offizier. Ich schieße nicht auf das Volk". Offenbar hielt es Knoll angesichts der brenzligen Situation immer noch für denkbar, dass ein Schießbefehl erteilt werden könnte. Er war als Offizier der "Arbeitsgruppe des Leiters" jahrelang zuständig gewesen für alle Maßnahmen zur bewaffneten Verteidigung der Suhler Stasi-"Burg" im Spannungsfall. Er und seine Kollegen hatten genaue Einsatzpläne zu Gefechtsständen, Schusskorridoren und Munitionslagern auf dem Suhler Stasi-Gelände erarbeitet. Eine gewaltlose Verteidigung seines Dienstsitzes schien Knoll wohl schwer vorstellbar.

Eine andere Erklärung liefern ältere Unterlagen aus Knolls Abteilung. Bereits Ende November 1989 hatte er seine Vorgesetzten um die Abordnung auf eine weniger belastete Dienststellung gebeten. Knolls "Arbeitsgruppe" war unter anderem zuständig für die Errichtung von Isolierungsstellen für oppositionelle Bürger des Bezirkes Suhl. Hinsichtlich der massiven Proteste gegen die menschenrechtswidrigen Methoden der Stasi musste Knoll wohl mit dem Ende seiner beruflichen Karriere rechnen. Ob der Major schließlich an moralischen Skrupeln oder an unsicheren Zukunftsperspektiven verzweifelte ist nicht zu klären. Knoll war kein Einzelfall: Bereits am 10. November 1989 hatte sich ein Offizier der Hauptabteilung I (u.a. zuständig für die geheimpolizeiliche Überwachung der NVA und der Grenztruppen) in Dermbach im Bezirk Suhl das Leben genommen – ohne Demonstranten vor seinem Dienstgebäude und ohne Schießbefehl.

Ein Bürogebäude mit zwei Flügeln und sieben Stockwerken.

"Wir haben einiges geahnt"

Die Nacht des 4. Dezember 1989 bedeutete nicht das sofortige Ende der Stasi im Bezirk Suhl. Vielmehr begann mit dem nächsten Morgen ein langwieriger Auflösungsprozess. Ab dem 5. Dezember kontrollierten Suhler Bürgerinnen und Bürger das gesamte Gelände des Bezirksamtes. Sämtliche Stasi-Mitarbeiter mussten vor ihren Diensträumen ihre Taschen von den Bürgerwachen durchsuchen lassen. Die meisten Diensträume blieben an den folgenden Tagen geschlossen und nur wenige Offiziere erschienen auf der "Burg". Einer von ihnen meldete an die Berliner Stasi-Zentrale: "Keine Arbeitsfähigkeit. Genossen bleiben zu Haus."

Am 6. Dezember nahm eine vom Bezirkstag Suhl eingesetzte Kommission zur Zukunft des Staatssicherheitsdienstes ihre Arbeit auf. Mitglieder des Demonstrationszuges verhandelten jetzt mit den Suhler Stasi-Offizieren darüber, ob und in welcher Form Teile ihrer Behörde weiterbestehen sollten. Während der mehrwöchigen Anhörungen und Beratungen änderten sich die Zielstellungen wesentlich.

Einig waren sich alle Parteien zunächst nur über einen umfangreichen Abbau des Stasi-Personals. Darüber hinaus sollten sämtliche Stasi-Dienststellen in den Kreisen sofort geschlossen werden. Besonders belastete Bereiche wie Major Knolls "Arbeitsgruppe" und die Untersuchungsabteilung samt Haftanstalt wurden sofort aufgelöst. Eine vollständige Abwicklung des Apparats stand jedoch zu Beginn nicht zur Diskussion. In Suhl wie in der gesamten DDR gingen fast alle Akteure zunächst davon aus, dass ein staatlicher Geheimdienst unter demokratischer Kontrolle aufgebaut werden sollte.

Abseits der Verhandlungen arbeiteten ab Mitte Dezember die Haushalts- und Personalabteilungen der Suhler Stasi weiter. Ihre Aufgabe war jetzt die Versetzung von Stasi-Mitarbeitern in andere Sicherheitsbehörden des Bezirkes und in Wirtschaftsbetriebe.

Währenddessen versuchten die leitenden Offiziere in den Anhörungen vor der Kommission Reformen ihres Apparats zu vereiteln. Die Befragungen gerieten zur Farce. Keiner der Stasi-Offiziere dachte daran, die Wirkungsmechanismen des Unterdrückungsapparats offenzulegen. Vor den ungläubigen Mitgliedern der Kommission zeichneten sie das Bild eines kleinen Auslandsgeheimdienstes ohne eigene Entscheidungsgewalt. Oberstleutnant Klaus Stirzel etwa hatte die Überwachung von Jugendgruppen, Schulen, Kirchen und Hochschulen geleitet. Jetzt präsentierte er einen Apparat, der lediglich westliche Sport- und Wirtschaftsspionage abgewehrt hätte. An Stirzels eingebrannten Denkmustern scheiterte jede Realität. Für ihn wie für viele andere Stasi-Offiziere blieben die eigenen Mitbürger unmündige Kinder, die es vor dem Zugriff äußerer "Feinde" zu bewahren galt.

Anders hingegen die Befragung Gerhard Langes vor der Kommission am 12. Dezember 1989: Der ehemalige Leiter des Suhler Bezirksamtes erläuterte wohl nicht ohne Stolz die Tätigkeiten aller Abteilungen seiner Geheimpolizei. Viele Mitglieder der Kommission waren erschüttert. Obwohl Lange Umfang und Art von Überwachung und Repression nur beiläufig andeutete, schwante ihnen erstmals das tatsächliche Ausmaß der Stasi-Methoden. Als Lange seinen Vortrag beendete, antwortete ihm ein Mitglied der Kommission: "Ich glaube, wir haben einiges geahnt, aber das, das hier offenbar ist, hat eigentlich das bestätigt – und das ist eigentlich das Schlimme."

Für Generalmajor Lange standen die Schuldigen an dieser "übertriebenen Sicherheitspolitik" fest. Es waren einzig und allein seine Auftraggeber an der Spitze der SED. In seinen Formulierungen wurde seine Geheimpolizei zum unschuldigen "Machtinstrument" eines "zunehmend stalinistischen" Politbüros. Die Stasi selbst erschien somit als missbrauchtes Opfer, das lediglich Befehle ausgeführt habe. Dabei berief er sich auf "die uns anerzogene Militär- und Parteidisziplin".

Die Unterlagen

Den Mitgliedern der Suhler Kommission wurde klar, dass die leitenden Suhler Stasi-Offiziere kaum an einer Aufdeckung der Ziele und Methoden ihres Apparats interessiert waren. Viel wichtiger erschien es jetzt, anhand der Berge von Akten, Karteikarten, Fotografien, Tonbändern und Datenträgern die tatsächlichen Vorgehensweisen der Stasi offenzulegen. Aber wie sollte mit den riesigen Mengen von gesammelten privaten Daten umgegangen werden? Und wer sollte diese sensiblen Informationen zu Gesicht bekommen?

Am 6. Dezember 1989 hatten Demonstranten hunderte Unterlagen aus den Panzerschränken und Regalen der Stasi-Dienststelle in Schmalkalden entnommen. Ein großer Teil wurde zwar in den folgenden Tagen dem lokalen Bürgerkomitee übergeben. Angesichts der enormen Sprengkraft der durch die Stasi gesammelten Personendossiers fragten sich jedoch auch Mitglieder der Kommission, ob die Massen an widerrechtlich gesammelten Daten in Teilen vernichtet werden sollten.

Die Entscheidung für den Erhalt der Stasi-Akten war nicht selbstverständlich. Die Mitglieder der Kommission konnten zu Beginn ihrer Beratungen kaum ahnen, dass die Stasi in wenigen Wochen aufhören würde zu existieren. Ebenso rechnete zu diesem Zeitpunkt in Ost und West kaum jemand mit dem Ende der DDR weniger als ein Jahr später. Eine kontrollierte Vernichtung der Stasi-Akten hätte aus damaliger Sicht vor allem das Herrschaftswissen des Sicherheitsapparats zerstört: ohne Akten keine Überwachung und Kontrolle aber auch keine Aufklärung und Gerechtigkeit.

Dass die Suhler Stasi-Unterlagen weitestgehend erhalten blieben, hatte verschiedene Gründe.

Bereits wenige Tage vor der Demonstration vom 4. Dezember hatten Suhler Bürgerinnen und Bürger auf Plakaten vor der Stasi-"Burg" die Herausgabe der über sie gesammelten Daten gefordert. Die Offenlegung der Bespitzelung wurde zu einer zentralen Forderung einer breiten Öffentlichkeit im Bezirk. Zahlreiche Stasi-Dienststellen in den Kreisen wurden von Demonstranten betreten, um die Vernichtung von Unterlagen zu stoppen. Die Stasi-Mitarbeiter hatten in den Nächten zuvor oft ganze Arbeit geleistet und hinterließen den Protestierenden oft nur Säcke voller Papierschnipsel. So betraten etwa Mitglieder einer Bürgerinitiative in Neuhaus am Rennweg am 5. Dezember 1989 die leeren Räume der Stasi-Dienststelle ihrer Kreisstadt. Drei Tage später titelte das "Freie Wort" in seiner Lokalausgabe: "Keine Spur von Akten und Karteien. Panzerschränke im Kreisamt für Nationaler Sicherheit leer: alles vernichtet."

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Entscheidend für den Erhalt der Unterlagen war letztendlich die schnelle und ersatzlose Auflösung der Stasi ab Januar 1990. Ein Wiederaufleben der Geheimpolizei war ausgeschlossen. Mit dem gewonnenen Selbstbewusstsein beschlossen die zuständigen Kommissionen in der gesamten DDR eine kontrollierte Aufbewahrung der Hinterlassenschaften der Stasi. Die Unterlagen der ehemaligen Suhler Stasi-Dienststellen werden heute in der Außenstelle des Stasi-Unterlagen-Archivs auf dem Suhler Friedberg archiviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der 4. Dezember 1989 war der Anfang vom Ende der DDR-Geheimpolizei im ehemaligen DDR-Bezirk Suhl. Ohne den Mut und auch die Besonnenheit der Demonstranten wären die Auflösung der Suhler Stasi-Zentrale und die damit einhergehende Sicherung der immensen Aktenbestände nicht möglich gewesen. Zu bemerken bleibt, dass kein ehemaliger Stasi-Offizier strafbarer Handlungen angeklagt wurde. Vielmehr fuhren Mitglieder der Kommission noch nach Beratungen in Betriebe und verhandelten mit empörten Arbeiterinnen und Arbeitern über die Einstellung entlassener Stasi-Mitarbeiter. Generalmajor Lange sollte die Solidarität und Nachsicht der zuvor von seinen Mitarbeitern überwachten und verfolgten "Hetzer" nicht mehr erleben. Die letzte überlieferte Meldung aus der "Außenstelle Suhl des Verfassungsschutzes der DDR" sendete am 7. Februar 1990 der zur Auflösung nach Suhl entsandte Stasi-Offizier Holger Reif an Schwanitz: "Der ehemalige Leiter des Bezirksamtes Suhl, Genosse Generalmajor Lange, hat sich am 30.01.1990 mit seiner Jagdwaffe erschossen."

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Die Stasi im Jahr 1989

1989 gelang es einer friedlichen Bürgerbewegung, einen stark bewaffneten Sicherheitsapparat zu entmachten. Der Revolutionskalender zeigt dokumentarisch und in chronologischer Abfolge die Anbahnung und den offenen Ausbruch der revolutionären Krise aus der Perspektive der Staatssicherheit.

Publikation

"Stasi raus – es ist aus!"

Stasi am Ende – die letzten Tage der DDR-Geheimpolizei

Fast 40 Jahre hatte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) im Dienste der Staatspartei SED gestanden. Die Prozesse des Niedergangs und der Auflösung der Staatssicherheit, die auch ein Kapitel der Friedlichen Revolution darstellen, stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Dokumentenhefts des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

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Demokratie statt Diktatur - Die Stasi und die Menschenrechte

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