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Demonstrierende im September 1987 beim Olof-Palme-Friedensmarsch in Torgau, darunter die 'Frauen für den Frieden'

Operativ-Vorgang "Wespen"

Die Friedens- und Bürgerrechtsgruppe "Frauen für den Frieden" hatte sich im Oktober 1982 in Ost-Berlin organisiert, im Frühjahr 1984 gründete sich ein Ableger in Leipzig. Die Frauen wandten sich insbesondere gegen die zunehmende Militarisierung der DDR. Das rief die Stasi auf den Plan.

Die Leipziger Gruppe traf sich bis zu vier Mal pro Woche als Arbeitskreis der Leipziger Nikolaikirche. Die Beteiligten ermutigten sich gegenseitig, Meinungsunterdrückung, Militarismus und Obrigkeitsdenken in der DDR nicht hinzunehmen. So setzten sie sich mit dem Wehrkundeunterricht in Schulen sowie dem Frauenbild in der DDR-Gesellschaft auseinander.

Zudem betrieb die Gruppe öffentlich Friedensarbeit. Sie beteiligte sich an kirchlichen Friedensgebeten, überregionalen Frauentreffen und Demonstrationen, wie dem "Olof-Palme-Friedensmarsch" im September 1987. Schnell geriet sie daher ins Fadenkreuz des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Die Leipziger MfS-Bezirksverwaltung beschrieb den Arbeitskreis in ihren Akten als "sogenannte Frauenfriedensgruppe" mit dem "Ziel der Organisierung und Koordinierung von Aktivitäten, die sich gegen die Friedens- und Verteidigungspolitik und Bildungs- und Erziehungspolitik des sozialistischen Staates richten".

Schon kurze Zeit nach der Gründung des Arbeitskreises 1984 nahm die Staatssicherheit die Bearbeitung der Gruppe in Angriff und leitete den Operativen Vorgang "Wespen" ein. Einen gleichnamigen Zentralen Operativen Vorgang hatte sie bereits gegen die Berliner "Frauenfriedensgruppe" unter Ulrike Poppe und Bärbel Bohley in Gang gesetzt. Ziel des MfS war es, den Zirkel auszuspähen und zu "zersetzen".

Dokument in der Stasi-Mediathek ansehen

Die Stasi setzte zeitgleich mehrere Inoffizielle Mitarbeiter (IM) auf die Leipziger Gruppe an, von denen einige Interesse und Sympathie für die Ziele der Gruppe vortäuschten. Sie bespitzelten die Teilnehmerinnen und trugen gezielt zu Zerwürfnissen unter einzelnen Arbeitskreis-Mitgliedern bei. Unwissentlich bespitzelten sich die IM auch gegenseitig und lieferten den Führungsoffizieren damit Informationen, mit denen diese die Zuverlässigkeit ihrer IM überprüfen konnten.

Nur wenige der Frauen erahnten, welche Tragweite die Arbeit des MfS hatte, und mahnten zur Vorsicht. Einige von ihnen nahmen bewusst nicht an Veranstaltungen teil, bei denen die Gefahr einer Verhaftung bestand.