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Kolloquium

Wissenschaftliches Kolloquium der Forschung des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv im Sommersemester 2022

Zeit

22. Juni 2022, 18:00 - 19:00 Uhr

Ort

Stasi-Unterlagen-Acrhiv / Bundesarchiv
Karl-Liebknecht-Str. 31
Raum 604
10178 Berlin
Telefon: (030)2324 6701
E-Mail: gz.kw@bundesarchiv.de

Veranstalter

Stasi-Unterlagen-Archiv / Bundesarchiv
Karl-Liebknecht-Str. 31
10178 Berlin
Telefon: (030)2324 6701
E-Mail: gz.kw@bundesarchiv.de

Der Eintritt ist frei.

Der Forschungsbereich des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv lädt auch im Sommersemester wieder zu einem semesterbegleitenden Kolloquium ein. Im Mittelpunkt der Werkstattberichte steht selbstverständlich die Staatssicherheit der DDR und ihre Arbeit, das Kolloquium ist aber auch offen für andere Themen.

Die drei Veranstaltungen finden jeweils mittwochs von 18:00 Uhr s.t. - 19:30 Uhr hybrid im Stasi-Unterlagen-Archiv/Bundesarchiv (Karl-Liebknecht-Str. 31, 10178 Berlin, Raum 604) und über ZOOM statt. Die Links zu den jeweiligen Veranstaltungen werden noch bekanntgeben.

 

27. April 2022, 18:00 Uhr

Referent: Sebastian Richter, Leiter der Außenstelle Frankfurt/Oder des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv

Thema: Recht als Mittel, Fassade und Problem: Steuerungsmöglichkeiten des MfS in politischen Strafverfahren der DDR

Unter folgendem Link können sich Interessierte vorab für die Veranstaltung anmelden: https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZwodeuuqjkuHNwylQRQr74a8TfZMDLMS6zo

Die Abteilungen der Linie IX des MfS waren Ermittlungsorgane in (politischen) Strafsachen. Kennzeichnend für sie war neben der Wahrnehmung offizieller strafprozessualer Aufgaben ihre Einbindung ins MfS als integraler Bestandteil des Geheimpolizeiapparats. Auf den Gang der Strafverfahren, insbesondere auf die Arbeit der Staatsanwälte, wirkte die Linie IX des MfS in der Frühzeit der DDR oft direkt ein, allerdings unterlag sie aufgrund DDR-interner und internationaler Entwicklungen über die Jahrzehnte Veränderungen in Richtung einer stärkeren normativen Verregelung. Ob und in welcher Weise sich die Einflussmöglichkeiten des MfS in der politischen Justiz dadurch geändert haben, war Gegenstand eines Forschungsprojekts im Stasi-Unterlagen-Archiv, das unter anderem 100 Ermittlungsverfahren aus der Zeit zwischen 1958 und 1989 analysiert hat. Der Vortrag stellt die Funktion der Linie IX des MfS als „Membran“ zwischen geheimpolizeilichen und den strafprozessualen Funktionen sowie als Steuerungsinstrument im Verhältnis von MfS und Staatsanwaltschaft heraus. Eine These ist, dass die fachliche Selbstkontrolle der Linie IX des MfS ein wesentliches Steuerungselement in der politischen Strafjustiz der DDR dargestellt hat.

 

18. Mai 2022, 18:00 Uhr

Referent: László Strausz, PhD habil., Eötvös Loránd Universität (ELTE) Budapest

Thema: Vom Affekt zum Instrument: die Propagandafilme des ungarischen Innenministeriums zwischen 1955-1989

Unter folgendem Link können sich Interessierte vorab für die Veranstaltung anmelden: https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZwodeuuqjkuHNwylQRQr74a8TfZMDLMS6zo

Das Filmstudio des Ungarischen Innenministeriums (BM Filmstúdió) produzierte während des staatssozialistischen Regimes mehr als drei Jahrzehnte lang Lehr- und Unterrichtsfilme. In meinem Vortrag stelle ich die ersten Ergebnisse meines Forschungsprojekts vor, das versucht, die Geschichte und die Politik dieser zufällig von Archivaren gefundenen Sammlung abzubilden. Aufbauend auf der Annahme, dass die politisch-historischen Veränderungen, die in Ungarn stattfanden, in den Produkten des Studios sichtbar sind, identifiziere ich einen Trend, die Instrumentalisierung der Gouvernementalität, der einige dieser Veränderungen widerspiegelt und zeigt, wie Kinofilme vom Staat verwendet wurden. Instrumentalisierung bezieht sich also in diesem Kontext auf den Prozess, in dem sich während der sechziger Jahre die affektiven Modi der Überzeugung des Publikums hin zu einem technischen Modus der audiovisuellen Argumentation verschoben haben, bei dem die makropolitische Orientierung der Zuschauer keine Rolle mehr spielt. Die späteren Filme konzentrieren sich stattdessen auf die Geschichten einzelner Personen und ihre instrumentell-materiellen Ziele, was die politische Neutralisierung der Gesellschaft während der Kádár-Jahre widerspiegelt und zu ihr beiträgt.

 

22. Juni 2022, 18:00 Uhr

Referentin: JProf. Dr. Sophia Hoffmann, Universität Erfurt

Thema: Die Beziehungen zwischen deutschen und arabischen Nachrichtendiensten während des Kalten Krieges: der Bundesnachrichtendienst und das Ministerium für Staatssicherheit im Vergleich

Die arabischen Republiken zählten während des Kalten Krieges zu den blockfreien Staaten (außer der Volksrepublik Jemen); daher sind ihre Geheimdienstbeziehungen zu Ost- und West-Deutschland für die Politikwissenschaft besonders interessant. Denn die Gründe, warum Nachrichtendienste Beziehungen miteinander aufnehmen, sind weitestgehend unerforscht, ebenso die Faktoren, die diese Beziehungen beeinflussen.
In diesem vornehmlich empirisch ausgelegten Vortrag vergleiche ich die Beziehungen der beiden deutschen Nachrichtendienst ’communities‘ zu denen Iraks und Ägyptens. Anhand dieses Vergleichs lässt sich der wechselhafte Einfluss von ideologischen, wirtschaftlichen und strategischen Fragen darstellen, welche die deutsch-deutsch-arabischen Nachrichtendienstbeziehungen bestimmten. Der Vortrag diskutiert zudem auch Fragen der Archivforschung und wodurch sich die sehr unterschiedlichen Zugriffe auf verschiedene Nachrichtendienstarchive erklären.

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