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Zwei Hände halten ein Smartphone, auf dessen Bildschirm ein historisches Foto des Willersbaus der Technischen Universität Dresden abgebildet ist. Im Hintergrund ist der Bau verschwommen in seiner heutigen Gestalt zu sehen.

"Geheim!" Stasi an der TU Dresden

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Die App "Geheim!" ist eine virtuelle Spurensuche auf dem Campus der TU Dresden. Sie führt zu verschiedenen Orten, an denen die Staatssicherheit der DDR bis 1989 beobachtete, überwachte und ermittelte. Über Histocaches können diese Orte und Geschichten entdeckt werden.

Es sind Geschichten aus den Stasi-Akten, die mit Gebäuden auf dem Campus verknüpft sind. Die App gewährt einen Einblick in diese Geheimdienstakten  außerhalb des Archivs, am Ort des Geschehens. Augmented Reality (AR) zeigt die Gebäude im historischen Setting.

Der historische Hintergrund

Die Technische Hochschule/Universität Dresden stand von ihrer Wiedereröffnung 1946 bis 1989 unter besonderer Beobachtung der Stasi. Als Wissenschaftsstandort war die TU Angriffspunkt für "feindliche Spionage", als Studienort möglicher Hort politischen Widerstandes.

Anfangs waren verschiedene Abteilungen der Stasi für die Überwachung zuständig. Mit zunehmender Studierendenzahl und neuen Fakultäten stieg der Überwachungsbedarf. Aus Sicht der Stasi galt es, die personellen und fachlichen Kapazitäten in einer zentralen Dienststelle zu bündeln. Diese wurde 1975 in Form der "Objektdienststelle TU/H" gegründet. Fortan überwachte, ermittelte, kontrollierte und reglementierte diese das studentische und wissenschaftliche Leben an der TU Dresden.

Die Ergebnisse dokumentierte die Stasi in ihren Akten. Diese befinden sich heute im Bundesarchiv, Stasi-Unterlagen-Archiv Dresden.

Schwarzweiß-Foto des Barkhausenbaus in Dresden

Das Stasi-Unterlagen-Archiv

Regale mit Stasi-Akten aus dem Magazinraum des Stasi-Unterlagen-Archivs Dresden

Im Stasi-Unterlagen-Archiv Dresden werden 8.239 Regal-Meter Akten und 3 Millionen Karteikarten aufbewahrt. Die Unterlagen stammen von der Stasi-Bezirksverwaltung und den 16 Kreisdienststellen im Bezirk Dresden. Allein im Bestand zur Objektdienststelle TU/H sind mehr als 4.000 Akten überliefert.

Sie können über ein Onlinefindbuch recherchiert werden.

Das Stasi-Unterlagen-Archiv hat die Aufgabe, diese Dokumente zu bewahren, sie zugänglich zu machen und über die Strukturen, Methoden und Arbeitsweise der Stasi aufzuklären.

Die App "Geheim!" Stasi an der TU Dresden

Die App wurde in Kooperation mit der Professur für Computergraphik und Visualisierung der TU Dresden, Prof. Dr. Stefan Gumhold, und dem Universitätsarchiv der TU Dresden entwickelt.

Die Recherche nach geeigneten Geschichten, die Schlaglichter auf die Tätigkeit der Stasi an der TU Dresden werfen, übernahm das Stasi-Unterlagen-Archiv Dresden. Studierende programmierten im Rahmen des Komplexpraktikums Computergraphik und Visualisierung zum Thema „HistoCaching II“ die App mit AR-Funktion. Die dafür notwendigen Fotos der Universitätsgebäude stellte das Universitätsarchiv der TU zur Verfügung.

Die App kann über den App-store kostenfrei heruntergeladen werden und ist in deutscher und englischer Textversion verfügbar.

Blick in die App 'Geheim!'

Die Stationen der App

16 Stationen geben einen Einblick in die Arbeit der Stasi an der TU Dresden. Sie beleuchten verschiedene Zeiträume, werfen Schlaglichter auf verschiedene Arbeits- und Lebensbereiche von Universitätsangehörigen und Studierenden.

  • Stasi vor Ort
    Schaltzentrale im Verborgenen: Stasi-Objektdienststelle TU/H (Lagepläne)
    Treffpunkte: Konspirative Wohnung (Zellescher Weg 41)
  • Sensible Forschungsbereiche
    Spionage in der Kernphysik? (Andreas-Schubert-Bau)
    "Geheimnisschutz" in der Mikroelektronik (Mierdelbau)
    Virus am Informatik-Zentrum (Dürerstraße 26)
    Überwachter Austausch: Tagung "INFERT 86" (Zeuner-Bau)
  • Überwachte Freizeit
    Stasi im Studentenclub (Bärenzwinger)
    Studentenwohnheime im Visier der Stasi (Wundtstraße)
    Internationale Studierende (Juri-Gagarin-Str. 12, jetzt: Fritz-Löffler-Str.)
  • Politisches Bewusstsein
    Inszeniertes Gedenken: Mahn- und Gedenkstätte im Schumann-Bau (Georg-Schumann-Bau)
    Sozialistische Utopie: Arbeiter-und Bauernfakultät (Weberplatz)
  • Überwachung "feindlichen Verhaltens"
    "Illegale Druckerzeugnisse" (Willers-Bau)
    Protest gegen Umweltverschmutzung (Neue Mensa)
    Operativer Vorgang "Natter": Studentenprozess von 1959 (Barkhausen-Bau)
    "Bist Du Parteibuch oder Mensch?": Prager Frühling (Mommsenstraße)
  • "Aufbruch 1989"
    Zeitenwende: Aufruf der "Gruppe der 20" (Drude-Bau)

Ansprechpartner

Technische Umsetzung (TU Dresden):
Prof. Dr. Stefan Gumhold, Dipl. Inf. Benjamin Russig

Kontakt:
Technische Universität Dresden, Professur für Computergraphik und Visualisierung, 01062 Dresden
Telefon: +49 (0)351 463 38384, E-Mail: stefan.gumhold@tu-dresden.de, Web: tu-dresden.de/ing/informatik/smt/cgv

Recherche, Texte, Redaktion (Stasi-Unterlagen-Archiv):
Cornelia Herold, M.A., Dr. Maria Fiebrandt, Luisa Fennert, B.A.

Kontakt:
Bundesarchiv/Stasi-Unterlagen-Archiv Dresden, Riesaer Straße 7, 01129 Dresden
Telefon: +49 (0)351 2508 0, E-Mail: dresden.stasiunterlagenarchiv@bundesarchiv.de, Web: www.stasi-unterlagen-archiv.de

Recherche (Universitätsarchiv TU Dresden):
Dr. Matthias Lienert, Jutta Wiese

Kontakt: Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, 01062 Dresden
Telefon: +49 (0)351 463 34452, E-Mail: uniarchiv@tu-dresden.de, Web: tu-dresden.de/ua

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