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Eine konstituierende Sitzung des Martin-Luther-Komitees der DDR fand am 13. Juni 1980 im Amtssitz des Staatsrates statt. v.l.n.r.: Erich Honecker, Landesbischof Werner Leich, Gerald Götting, Bischof Werner Krusche

Das Treffen zwischen Honecker und Bischof Leich am 3. März 1988

Das angespannte Verhältnis von Staat und Kirche führte am 3. März 1988 zu einem Spitzentreffen zwischen SED-Generalsekretär Erich Honecker und Bischof Werner Leich. Die Staatssicherheit dokumentierte die Reaktion der Evangelischen Kirche auf das Gespräch.

Spätestens zu Beginn des Jahres 1988 war der Dialog zwischen evangelischer Kirche und Staat bzw. SED-Führung erheblich gestört. Die Vorfälle um die Umweltbibliothek in der Zionskirchgemeinde Ende November 1987, die Festnahmen im Rahmen des Liebknecht/Luxemburg-Gedenkmarsches am 17. Januar 1988 sowie der Gedenkveranstaltung in Dresden am 13. Februar 1988 machten überdeutlich, dass der SED-Staat sich seiner Bürgerinnen und Bürger nur noch durch offen repressives Vorgehen der Sicherheitsorgane erwehren konnte. Stasi-Chef Erich Mielke war sich bewusst, dass die evangelische Kirche eine Schlüsselrolle sowohl im Hinblick auf den Umgang mit der innerstaatlichen Opposition als auch in den Beziehungen zur Bundesrepublik hatte.

Eine konstituierende Sitzung des Martin-Luther-Komitees der DDR fand am 13. Juni 1980 im Amtssitz des Staatsrates statt. v.l.n.r.: Erich Honecker, Landesbischof Werner Leich, Gerald Götting, Bischof Werner Krusche

Vor allem die hohe Zahl von Ausreisewilligen und deren Bereitschaft, ihre Forderungen öffentlich vorzutragen, wurden für SED und MfS zum Problem und für das Staat-Kirche-Verhältnis zu einer schwerwiegenden Belastungsprobe. Insbesondere die evangelische Kirche bot für zahlreiche Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler sowie Ausreisewillige einen Schutzschirm. Sie konnten dort ihre Forderungen öffentlich vortragen. Die Partei- und Staatsführung reagierte ihrerseits mit Druck. Eine am 8. Februar in Ost-Berlin eröffnete Anlaufstelle für die seelsorgerische Betreuung von Ausreisewilligen wurde wegen zu hohen Andrangs wieder geschlossen. Verbunden war das mit dem Hinweis von Generalsuperintendent Günter Krusche, dass mit der Einrichtung dieser Stelle bei einigen der falsche Eindruck entstanden sei, die Kirche könne bei der Übersiedlung helfen. Auch innerhalb der Kirche fühlten sich viele Gemeinden überfordert und beklagten, dass die Kirche sich mehr um die Ausreisewilligen kümmere als um jene, die in der DDR bleiben wollen. Um den Burgfrieden zwischen Kirche und Staat nicht zu gefährden, war ein Gespräch auf höchster Ebene, so wie es am 6. März 1978 stattgefunden hatte, notwendig geworden. Damals hatten beide Seiten die Grundlagen ihres Verhältnisses festgelegt.

Bereits vor dem Spitzentreffen mit Honecker kam es am 19. Februar zu einem vertraulichen Treffen zwischen dem Politbüromitglied Werner Jarowinsky und dem Vorsitzenden des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, Bischof Leich. Hier forderte Jarowinsky die Kirchenleitung in einer scharf formulierten Erklärung auf, ihr innenpolitisches Engagement zu unterlassen.

Grundlage für dieses sowie für alle weiteren Gespräche zwischen staatlichen Gremien und evangelischer Kirche war Honeckers Konzeption "Zu prinzipiellen Fragen der Beziehungen zwischen Staat und Kirche". Daran orientierte auch die Staatssicherheit ihr Vorgehen gegen oppositionelle Aktivitäten. Die MfS-Bezirksverwaltung Berlin berichtete mit Bezug auf die Konzeption von Gesprächen mit Vertretern der evangelischen Kirche:

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Am 3. März 1988 empfing dann SED-Chef Honecker den Vorsitzenden der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR, den thüringischen Landesbischof Werner Leich. In dem von Leich angeregten Gespräch sollten Fragen und Probleme erörtert werden, mit denen DDR-Bürgerinnen und -Bürger immer öfter an die Kirche herangetreten waren. In diesem Zusammenhang thematisierte der Bischof die der Bevölkerung nicht bekannten Kriterien der Reisebestimmungen und die verweigerten Begründungen für abgelehnte Reisegesuche. Weiterhin sprach er vom distanzierten Umgang der Dienststellen mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Gleichsetzung von Kritik mit Staatsfeindlichkeit und dem Auseinanderklaffen von alltäglicher Realität und Medienberichterstattung. Leich machte darauf aufmerksam, dass diese Probleme ihren Ursprung nicht im kirchlichen, sondern im gesellschaftspolitischen Bereich hätten.

Honecker sprach von positiven Veränderungen im gesellschaftlichen Leben der DDR seit dem letzten Treffen 1978. Er machte seinerseits gemeinsame Grundinteressen von Kirche und Staat aus. So lobte er vor allem das Friedensengagement beider Seiten. Über Meinungsverschiedenheiten, die es laut Honecker auch gebe, könne man sich jederzeit verständigen. Die Stasi registrierte genau, wie sich Bischof Leich im Anschluss gegenüber dem Landeskirchenrat Thüringen über dieses Gespräch äußerte.

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Einen Tag später nahm Bischof Leich in einem ARD-Interview zu den Reaktionen Honeckers Stellung. Seiner Meinung nach hatte Honecker verstanden, dass die Kirche tätig werden musste, da der Staat als Dialogpartner ausfiel. Leich stellte klar, dass es immer wieder "Störfälle" geben werde, "wo der Inhaber der politischen Macht versucht ist, seine Überzeugung nicht durch Mittel der geistigen Auseinandersetzung, sondern einfach durch Anwendung der ihm zur Verfügung stehenden politischen Macht durchzusetzen."

Damit sollte er Recht behalten. Schon am 6. März kontrollierten Sicherheitskräfte die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes der evangelischen Sophienkirche in Ost-Berlin. Weitere Kontrollen in anderen Städten, Eingriffe der staatlichen Zensur in die Kirchenpresse und Berichterstattungsverbote für westliche Journalistinnen und Journalisten über Synodaltagungen mehrerer DDR-Landeskirchen folgten.

Vor dem Hintergrund zunehmender Verunsicherung von SED-Führung und MfS im Verlauf des Jahres 1988 sollte die evangelische Kirche auch weiterhin ein Schwerpunktbereich der Stasi bleiben, wie etwa die folgenden Dokumente zeigen: